Erinnerung bewegt
Insgesamt 17 Schülerinnen aus neun Mitgliedsschulen des Katholischen Schulwerks in Bayern (Realschulen, Gymnasien, Mittelschulen, Fachakademien) nahmen vom 26.01.2026 bis 30.01.2026 am Projekt "Erinnerung bewegt" teil. Gemeinsam mit dem museumspädagogischen Team des Max-Mannheimer-Studienzentrums Dachau, vertreten durch Viola Bögeholz, und dem Tänzer, Choreograf und Tanzpädagogen Alan Brooks, der die künstlerische Leitung innehatte, wurde den Schülerinnen der Mitgliedsschulen des Katholischen Schulwerks in Bayern ein eng aufeinander abgestimmtes Programm angeboten.
Begleitet wurden die Teilnehmenden von Lehrkräften der Mitgliedsschulen Maria Bauer und Birgit Pfänder und Dunja Müller, Referentin für Schulentwicklung und Evaluation, die die Organisation von Seiten des Katholischen Schulwerks in Bayern innehatte. Das Leitungsteam hat sich im Vorfeld mehrfach via ZOOM getroffen, um Ablauf und Zielsetzungen zu besprechen. Bei einem dieser Treffen war auch die ganze Gruppe mit Schülerinnen und Eltern dabei. Die Zielsetzung wurde vorab in einer Ausschreibung formuliert und im Rahmen dieses Treffens konnten dazu Fragen gestellt werden und die Referenten wiesen erneut auf die Zielsetzungen hin.
Dem Workshop zugrunde lag stets ein fachlicher Rahmen, das Schaffen von Bewusstsein für den Ort und die historischen Fakten. Der Tanz diente dem Ausdruck der Gefühle der Schülerinnen, aber besonders dem Gedenken an die Menschen, die an diesem grausamen Ort gequält und getötet wurden. Das übergeordnete Ziel ist es, ein Angebot zur Demokratie- und Werteerziehung für die Mitgliedsschulen des Katholischen Schulwerks in Bayern zu schaffen.
Nach der Ankunft und dem Kennenlernen formulierten die Schülerinnen Ihre Erwartungen, aber auch Sorgen.
Im nächsten Programmpunkt versuchten sich die Schülerinnen dem Ort anzunähern und innerlich anzukommen. Dies geschah mit einem Spaziergang durch die Stadt Dachau, verbunden mit Arbeit an historischem Kartenmaterial. Damit wurden Berührungsängste abgebaut und in der anschließenden Reflexionsrunde besprochen.
Viola Bögeholz vom Max-Mannheimer Studienzentrum Dachau gab einen Überblick über das Gelände des KZ Dachau und führte durch die Dauerausstellung, um den fachlichen Hintergrund aller Teilnehmer zu erweitern.
Doch wie soll alles Leid und die unvorstellbare Grausamkeit, die dieser Ort vermittelt, nun mit Tanzen vereinbar sein? Alan Brooks zeigte zusammen mit Viola Bögeholz, dass Kunst im Konzentrationslager verschiedene Funktionen erfüllte. Kunst wurde durch die Häftlinge genutzt, um sich im Konzentrationslager ihre Identität und Individualität- zumindest teilweise- zu erhalten. Unter Lebensgefahr führten sie einen kleinen Bleistift und ein Papierstückchen mit sich und zeichneten Bilder oder schreiben heimlich Tagebuch. Auch nach der Befreiung der Konzentrationslager diente die Kunst den ehemaligen Häftlingen dazu, das Unsagbare zu verarbeiten – wie beispielsweise das Beispiel des Malers und Namensgebers des Studienzentrums Max Mannheimer zeigt.
Die Workshop-Teilnehmer wählten nach einer intensiven Beschäftigungsphase in Gruppen ein Kunstwerk, das sie besonders berührte und ihnen als Inspiration für eine eigene Choreografie diente. Auch wurden Begriffe wie "Lebenswille, Gemeinschaft, Kommunikation, Angst, Unmenschlichkeit und Widerstand", die von den Teilnehmern artikuliert wurden, als Grundlage für den tänzerischen Ausdruck gewählt. Impulse von den Schülerinnen wurden im Laufe der Woche immer wieder innerhalb von Reflexionsphasen eingefordert. Alan Brooks führte die Schülerinnen in die Welt des Tanzens ein und leitete sie zu ihren ersten eigenen Solo-Duo- und Gruppenchoreografien an. Mit großer Ernsthaftigkeit, Demut und Konzentration arbeiteten die Teilnehmenden an ihren Darstellungen und waren sich des Hintergrunds ihrer Arbeit stets bewusst. Sie wurden von Alan Brooks bei der Auswahl der Musik und der Umsetzung der Tanzelemente stets unterstützt. Die Tanzeinheiten wurden unterbrochen von verschiedenen Reflexionsphasen, in denen sowohl über die Geschehnisse im Lager, die Kunst der Häftlinge und über die persönlichen Empfindungen der Teilnehmer gesprochen wurde. Neben der Vermittlung der Geschichte fand stets auch Persönlichkeitsbildung statt. Mit Fragestellungen wie z. B. "Wann hörst du auf? Wie weit würdest du gehen?" setzten sich die Teilnehmer sowohl intellektuell als auch körperlich intensiv auseinander. Die Perspektive der Jugendlichen war stets Ausgangspunkt der intellektuellen und künstlerischen Auseinandersetzung.
Gerade diese Mischung aus lnputphasen, Reflexion und künstlerischem Ausdruck erwies sich als sehr fruchtbar und hat sich bewährt.
Als abschließender Höhepunkt fand eine Gedenkfeier mit dem Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern, Dr. Peter Nothaft, den Schulleitungen und den Eltern der Teilnehmerinnen statt.
Referentin für Schulentwicklung und Evaluation Dunja Müller informierte in einer Reflexion über den Verlauf der Woche und die Schülerinnen zeigten ihre selbst gestalteten Choreografien.
Eine Journalistin des Magazins der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözese München-Freising begleitete das Projekt und wird dazu eine Titelgeschichte im März 2026 veröffentlichen.
Diese neue Form der Erinnerungskultur erfährt finanzielle Förderung durch die Zentralstelle zur Förderung von Gedenkstättenfahrten außerschulischer Jugendgruppen, einer Abteilung der IBB gGmbH, welche im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend arbeitet.
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